Dienstag, 13. Juni 2017

Zu viel Verkehr? Wieso nicht teuerer machen? Die scheinbar einzige Lösung

Etwas, das mir immer wieder auffällt, ist der scheinbare Glaube der Politiker, dass es in vielerlei Hinsicht nur eine Lösung gibt: Preise erhöhen.
20 Minuten schreibt über zu viel Verkehr
 Die Zunahme des Strassenverkehrs
 stellt das Schweizer Autobahnnetz auf die Probe
Kaufen die Leute zu viele Autos - Steuer
Sind zu viele Autos auf der Strasse - Höhere Gebühren
Sind zu wenige Autos auf der Strasse um diese zu finanzieren - Höhere Gebühren
Weichen mehr Personen auf den ÖV aus, verursacht das Kosten - Höhere Billetpreise
Kann die Antwort auf jedes Problem denn wirklich nur der Preis sein? 

Sollte man sich nicht viel mehr fragen, weshalb die Leute den Individualverkehr anstelle des ÖV wählen? 
Ich bin der Meinung, dass wenn man sich dieser Frage annehmen würde, man auch eine - für alle - bessere Lösung finden könnte. Ob diese dann zum Ziel hat, die Leute auf den ÖV umzulenken oder mehr Platz auf den Strassen zu schaffen, ist am Ende egal. Es geht doch darum, dass wir alle gemeinsam das Ziel haben sollten, die Lösung zu finden, von welcher möglichst alle profitieren. 
Und nicht die, mit der die Schreie leiser werden, der Bürger aber am Ende der angeschissene ist. 

Die gegebene Situation ist folgende: 
Der Individualverkehr nimmt zu, die Kapazität des Strassennetzes ist ausgeschöpft. 

Möglichkeiten gibt es zwei: 
-Weniger verkehr
-Infrastruktur ausbauen

Doch welche Lösung ist die beste - und wie erreichen wir das Ziel? 
Dazu müsste man sich erst mal überlegen, aus welchem Grund wir immer mehr Autos auf den Schweizer Strassen haben. 

Einerseits wächst die Bevölkerung stetig. Dagegen können wir nicht viel unternehmen ohne dass es unmenschlich wird. 

Andererseits können sich immer mehr Menschen ein Auto leisten. Oft hat eine Familie heute auch zwei Autos. Natürlich lässt sich das mit dem Preis für Autos und deren Unterhalt steuern. Aber es liegt in der Natur des Menschen immer nach mehr zu streben. Und jemandem etwas weg zu nehmen, damit es anderen besser geht ist meiner Meinung nach nicht die beste Lösung. Denn ist ist das gleiche wie einen Kiosk aus zu rauben: Ich habe danach mehr Geld und kann mir etwas leisten. Der Kioskbetreiber hat dadurch weniger Einnahmen und wird damit sicher nicht glücklich sein - Diebstahl. 

Man kann natürlich auch sagen, der Grund liegt im Ölpreis und den dadurch sinkenden Benzinpreisen. Ist dann nicht weit hergeholt, dass unsere Regierung gleich mal die Steuer darauf erhöhen will. Weniger Autos oder mehr Steuereinnahmen wären das Resultat. Beides wäre wohl genehm. Ausser für die Autofahrer natürlich, aber wen kümmerts. 

Nur fahren eben nicht alle wegen dem günstigeren Benzinpreis Auto. Heute wird oft erwartet, dass man in flexiblen Arbeitszeiten zur Verfügung steht, wann immer Not am Mann ist. 
Oder man arbeitet in Schichten, die mit dem ÖV nur schwer erreichbar sind. Hier straft man die Leute, die eh schon wenig Freiheit haben also nur mit einer zusätzlichen finanziellen Belastung. 

Autobahnvignette
Das wäre natürlich auch ein Ansatz. Klar, teurer ist immer schlecht. Aber hier könnte man mit wenig (50 statt 40 Franken) sicherlich schon einiges bewirken. Zudem ist das im internationalen Vergleich immer noch sehr günstig. Trotzdem habe ich vor ein paar Jahren gegen einer Erhöhung des Vignettenpreises auf 100 Franken gestimmt. 
Weshalb? - Nun, sicher nicht wegen der 100 statt 50 Franken, das wäre immer noch ok. 
Aber eben rein deshalb, weil es bei uns immer nur in eine Richtung zu gehen scheint: Teurer.
Bei Problemen gehen die Preise rauf. Aber wenns besser wird, gehen sie nie runter. 
Ausserdem sollten diese Einnahmen auch dem Strassennetz zufliessen. Und das ist leider seit dem FABI auch nicht mehr zu 100% gewährleistet. Und das geht meiner Meinung nach gar nicht. 
Ich verursache als Autofahrer Kosten in Form der Abnutzung der Strassen. Dafür bezahle ich auch Geld in Form diverser Steuern. Den Zugverkehr belaste ich dagegen nicht. Deshalb will ich den auch nicht mitfinanzieren. Wenn ich Zug fahre, bezahle ich mit dem Billet. 

Und der ÖV? 
Nun, kein Stau zu haben ist sicherlich schön. Klar, auch ein Zug fällt mal aus, aber das ist effektiv nicht so oft. Aber manchmal hat man halt eben wirklich schlechte Verbindungen. 
Oder man fahre mal Morgens um 7 Uhr von Bern nach Zürich. Wenn man glück hat kann man sitzen. eingeengt zwischen 3 anderen. Arbeiten kann man da sowieso nicht, die Luft ist stickig und bequem ist es definitiv nicht. Bleibt also noch der Vorteil des günstigeren Preises. Aber sobald die SBB ein paar Leute mehr transportieren kann, liest man sofort, dass hohe Investitionen in den Unterhalt des Schienennetzes nötig seien und deshalb eine Erhöhung des Billetpreises nötig wäre. Und bei den Steuern kannst du auch immer weniger abziehen. 


Also, jetzt habe ich ein paar Zeilen lang gejammert - Und wo ist die Lösung? 
Allwissend bin ich ja leider nicht. Und da es eben noch keinen funktionierenden Ansatz gibt, braucht man hier Innovation. 

Aber man kann ja mal über den Teich schauen - in die USA zum Beispiel. 

Da gibt es Fahrspuren die nur Taxis und Fahrgemeinschaften zur Verfügung stehen. Das heisst es müssen mehrere Personen im Auto sitzen. 
Wieso ist der Zug effizienter als das Auto? Weil mehrere Personen in einem Fahrzeug transportiert werden. Dadurch brauchen sie weniger Platz und Energie. 
Und auf unseren Strassen? Man braucht sich nur mal an die Bushaltestelle zu stellen und erhält schnell Klarheit: In sicherlich 90% aller Fahrzeuge sitzt genau eine Person. Und das  sind keine kleinen Smart. Das sind meistens sogar die Dicken Brummer wie X5 oder Q7, Autos in denen Bequem 5 Leute Platz haben. 

Wieso also nicht Fahrgemeinschaften fördern und die Vorteile des flexiblen Autos mit der Effizienz des ÖV vereinen und dabei noch vom günstigeren Preis profitieren? Das wäre mal innovativ. 
Der Bürger spart, da er die Kosten teilen kann. Für den Staat wird's auch nicht teurer, da die Abnutzung ja abnimmt und die Umwelt wird auch entlastet. 
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/81/Three_wheeler_in_Pingyao.jpg
Fahrgemeinschaften: Andernorts schon längst Alltag

Natürlich, man will ja auch noch schnell ans Ziel kommen und nicht durch die halbe Schweiz fahren um Leute abzuholen. 
Aber gerade wenn man in Ballungszentren arbeitet, oder Leute die täglich von Bern nach Zürich Pendeln (mit dem Auto) können mit Sicherheit ein oder zwei gleichgesinnte finden, die sich das Auto teilen würden. Man macht untereinander eine Pauschale ab, damit der Fahrer auch was davon hat und alles ist gut. Unkompliziert - günstig - effizient. 
Man muss ja nicht im gleichen Büro arbeiten. Aber schon wenn man in die gleiche Stadt fährt, kann man den Kollegen ja problemlos in der nähe abladen. 

Klar, die Vorteile sind schon ohne Anreiz vom Stadt eigentlich vorhanden. Aber man müsste es noch mehr pushen. Vielleicht eben sogar mit einer Fahrspur für Fahrgemeinschaften. Eine Spur, die zumindest zu Stosszeiten nur Autos mit mehreren Insassen zur Verfügung steht. In der Nacht und am Wochenende kann man diese bedenkenlos freigeben, damit sie auch da von Nutzen ist. Kontrollieren lassen würde sich das relativ leicht. Und überall braucht man das auch nicht. Aber es ist ja relativ gut bekannt, wo die meisten Staus sind, da könnte man ansetzen. 

Vielleicht könnte man das auch steuerlich für die Fahrer etwas attraktiver gestalten. 

Hier würden alle gewinnen - keiner verlieren. 
Aber wieso wird's nicht gemacht? 
Natürlich, dem Staat würden keine Mehrkosten entstehen. Er würde sogar entlastet. 
Aber auf dem Papier würden ein Haufen Steuereinnahmen fehlen. 
Es gäbe weniger Autos die zu besteuern wären, es würden weniger Vignetten verkauft werden, es würde weniger getankt werden. 
Klar, das Geld würde da fehlen, wo man nun auch weniger braucht - Nur fliesst dieses Geld ja eben nicht da hin, wo nun weniger gebraucht wird, sondern... Ja wohin denn genau? Das fragt sich wohl manch einer..

Quelle des Bildes und Anreiz zum Thema: Beitrag auf 20Minuten.ch

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